Woher kommt der Ton und wie wird er wahrgenommen?
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Diegetischer Ton – gehört zur Filmwelt; die Figuren können ihn hören
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Extradiegetischer Ton – gehört nicht zur Filmwelt; die Figuren können ihn nicht hören (z. B. Filmmusik)
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On-Ton – die Tonquelle ist im Bild sichtbar (immer diegetisch)
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Off-Ton – die Tonquelle ist nicht im Bild zu sehen
(kann diegetisch oder extradiegetisch sein)
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Vorder-, Mittel- & Hintergrund
Wie das Bild lässt sich auch der Ton in Ebenen gliedern. Lautstärke, Nähe und Art des Tons bestimmen, wie präsent er für die Zuschauer:innen wahrnehmbar ist.
Beispiele:
a) Um sicher unterscheiden zu können, ob es sich um diegetischen oder extradiegetischen Ton handelt, ist die zentrale Frage stets, ob die Protagonist:innen im Film den Ton wahrnehmen können (diegetisch) oder ob sie den Sound nicht hören können (extradiegetisch).
Nehmen wir als Beispiel zwei Ausschnitte aus der ersten Folge der Ausgezeichnet!-Serie "Wishlist" (Timecode: 00:02:58-00:03:46 & 00:05:21-00:05:40).
Die Geräusche (Wasserplätschern im Schwimmbad, Benachrichtigungstöne des Smartphones etc.) sind diegetisch, sie gehören zu Miras Wahrnehmungssphäre. Die Musik im Schwimmbad ist extradiegetisch. Sie ist für die Protagonist:innen nicht zu hören und hat keine sichtbare Quelle.
Das Lied während der Fahrt mit der Schwebebahn ist hingegen diegetisch. Mira hört es über ihr Smartphone, bis die App Wishlist sich zuschaltet und sie unterbricht.
b) Der Score ist Off-Ton und extradiegetisch. Er wird nur von den Zuschauer:innen des Films wahrgenommen und spielt bei der Erzeugung von Emotionen eine besonders tragende Rolle. Ein Beispiel aus dem Ausgezeichnet!-Film "Blade Runner 2049" macht dies deutlich: Protagonist K sucht nach einem Gegenstand aus seiner Kindheit, an den er sich glaubt zu erinnern. Dies wird mit einem Score untermalt, der die Spannung kontinuierlich steigert, extremes Unbehagen hervorruft und die Zeit quälend langsam verstreichen lässt (Timecode: 01:10:31-01:11:36). c) Das Voice-Over ist eine Erzähler-Stimme, die aus dem Off zu hören ist. Diese Stimme kann sowohl diegetisch (z.B. Gedankenwelt eines Ich-Erzählers/einer Protagonist:in des Films) als auch extradiegetisch (z.B. Erzähler im Tierdokumentarfilm) sein. Entscheidend ist dabei, dass die Zuschauer:innen diese Stimme keiner in der Filmszene sichtbar sprechenden Person zuschreiben können. Ein Beispiel für ein klassisches Voice-Over einer Ich-Erzählerin ist die Ausgezeichnet!-Serie "Wishlist". Mira lässt die Zuschauer:innen in der Serie immer wieder an ihren Gedanken teilhaben (Timecode: 00:00:52-00:01:16).