• Sounddesign – Tongestaltung

    • Sounddesign – Gestaltung der Tonspur

      Das Sounddesign beschreibt die bewusste Gestaltung der Tonspur eines Films. Ton lenkt Aufmerksamkeit, erzeugt Atmosphäre und beeinflusst die emotionale Wahrnehmung oft stärker als das Bild – häufig unbewusst. Geräusche, Musik, Sprache und Stille strukturieren Szenen, erzeugen Spannung und vertiefen filmische Welten. Sounddesign wirkt dabei eigenständig, aber immer im Zusammenspiel mit Bild und Montage.

      Hinweis:
      Ton wird im Film häufig weniger bewusst wahrgenommen als das Bild, hat jedoch eine zentrale Funktion für Emotion, Spannung und Bedeutung. Für den Unterricht empfiehlt es sich, Ton gezielt isoliert zu betrachten, z. B. durch Hören ohne Bild.

      Woher kommt der Ton und wie wird er wahrgenommen?

      • Diegetischer Ton – gehört zur Filmwelt; die Figuren können ihn hören

      • Extradiegetischer Ton – gehört nicht zur Filmwelt; die Figuren können ihn nicht hören (z. B. Filmmusik)

      • On-Ton – die Tonquelle ist im Bild sichtbar (immer diegetisch)

      • Off-Ton – die Tonquelle ist nicht im Bild zu sehen
        (kann diegetisch oder extradiegetisch sein)

      • Vorder-, Mittel- & Hintergrund
        Wie das Bild lässt sich auch der Ton in Ebenen gliedern. Lautstärke, Nähe und Art des Tons bestimmen, wie präsent er für die Zuschauer:innen wahrnehmbar ist.

      Beispiele: 

      a) Um sicher unterscheiden zu können, ob es sich um diegetischen oder extradiegetischen Ton handelt, ist die zentrale Frage stets, ob die Protagonist:innen im Film den Ton wahrnehmen können (diegetisch) oder ob sie den Sound nicht hören können (extradiegetisch).

      Nehmen wir als Beispiel zwei Ausschnitte aus der ersten Folge der Ausgezeichnet!-Serie "Wishlist" (Timecode: 00:02:58-00:03:46 & 00:05:21-00:05:40). 

      Die Geräusche (Wasserplätschern im Schwimmbad, Benachrichtigungstöne des Smartphones etc.) sind diegetisch, sie gehören zu Miras Wahrnehmungssphäre. Die Musik im Schwimmbad ist extradiegetisch. Sie ist für die Protagonist:innen nicht zu hören und hat keine sichtbare Quelle.

      Das Lied während der Fahrt mit der Schwebebahn ist hingegen diegetisch. Mira hört es über ihr Smartphone, bis die App Wishlist sich zuschaltet und sie unterbricht.

      b) Der Score ist Off-Ton und extradiegetisch. Er wird nur von den Zuschauer:innen des Films wahrgenommen und spielt bei der Erzeugung von Emotionen eine besonders tragende Rolle. Ein Beispiel aus dem Ausgezeichnet!-Film "Blade Runner 2049" macht dies deutlich: Protagonist K sucht nach einem Gegenstand aus seiner Kindheit, an den er sich glaubt zu erinnern. Dies wird mit einem Score untermalt, der die Spannung kontinuierlich steigert, extremes Unbehagen hervorruft und die Zeit quälend langsam verstreichen lässt (Timecode: 01:10:31-01:11:36). 

      c) Das Voice-Over ist eine Erzähler-Stimme, die aus dem Off zu hören ist. Diese Stimme kann sowohl diegetisch (z.B. Gedankenwelt eines Ich-Erzählers/einer Protagonist:in des Films) als auch extradiegetisch (z.B. Erzähler im Tierdokumentarfilm) sein. Entscheidend ist dabei, dass die Zuschauer:innen diese Stimme keiner in der Filmszene sichtbar sprechenden Person zuschreiben können. Ein Beispiel für ein klassisches Voice-Over einer Ich-Erzählerin ist die Ausgezeichnet!-Serie "Wishlist". Mira lässt die Zuschauer:innen in der Serie immer wieder an ihren Gedanken teilhaben (Timecode: 00:00:52-00:01:16). 

       

      • Atmo (atmosphärischer Ton) – unterstützt Authentizität und Raumwirkung

      • Geräusche – vielfältige Klänge und Effekte, machen Szenen lebendig

      • Sprache – transportiert Informationen, Emotionen und Beziehungen

      • Musik – erzeugt Atmosphäre, lenkt Gefühle und Bewertungen

      Beispiele:

      a) Im Ausgezeichnet!-Film "Kokon" wird mit Umgebungsgeräuschen gearbeitet, wenn Nora Romy im Freibad sieht (Timecode 00:31:40-00:32:28). Im Hintergrund sind viele Atmo-Sounds zu hören, z.B. Wassergeplätscher und Stimmengewirr der Menschen um sie herum, Vogelgezwitscher, Ballspiele usw. All diese Geräusche machen die Szenerie glaubwürdig und betten die Handlung in eine realistisch gestaltete Umgebung ein.

       

      b) Im Ausgezeichnet!-Film "Ernest & Célestine" lässt sich die Funktion von Musik gut am Beispiel der Flucht aus der Stadt und dem Stimmungswechsel bei der Fahrt aufs Land nachvollziehen (Timecode: 00:38:06-00:39:05). Zunächst ist die musikalische Untermalung hektisch und dynamisch, passend zu den Szenen der Flucht. Nachdem die beiden entkommen sind, wechselt die Stimmung und es erklingen deutlich ruhigere Melodien.

      Gestaltung und Verbindung von Tönen

      • Tonblenden – langsames Ein- oder Ausfaden des Tons, oft parallel zum Bild

      • Tonbrücke – Überlappung von Ton über Szenenwechsel hinweg; der Ton einer Szene setzt im Bild der nächsten fort oder beginnt bereits vorher

      Als Beispiel für eine klassische Tonbrücke kann ein Szenenübergang aus dem Ausgezeichnet!-Film "Who Am I" herangezogen werden (Timecode: 00:37:15-00:38:25). Hier wird der Sound aus der nachfolgenden Szene am Ende der ersten schon hörbar. Das Gasgeben und Anfahren mit quietschenden Reifen ist eindeutig Teil der nachfolgenden Szene, denn Max, der Fahrer, steht am Ende der ersten Szene noch neben dem Auto. Die Soundspur muss also aus der nachfolgenden Szene stammen. In der nächsten Einstellung wird dies eingelöst: Das Auto rast über eine mehrspurige Straße.